Das Bachkonzert und die Karwoche


Den Reigen des Kirchenjahres mit der Abwechslung durch verschiedene Feste genieße ich jedes Jahr von neuem. Aber mit der Karwoche und der Betonung des Leidens habe ich so meine Probleme.

Unvergessen jener Tag, wo wir zu einer Hochzeit eingeladen waren. Die Trauung fand außerhalb des Ortes in einer Kapelle statt. Beim Betreten der Kapelle erschrak ich: „ Um Gottes Willen. Diese Kapelle ist ausgemalt mit den Szenen des Kreuzweges. Was werden die Kinder empfinden, die sich so auf die Hochzeit gefreut haben? Werden sie auch so geschockt sein von den drastischen Bildern des Kreuzweges wie ich als Kind beim Betreten mancher Kirchen?“

Letztes Wochenende werde ich zu einem Konzert in der Pfarrkirche eingeladen. Der Chor besingt in Bachkantaten das Leiden Jesu.

Am Ende, als wir noch still in den Bänken sitzen, steigt unerwartet eine neue Erkenntnis in mir auf.

Ich erkenne plötzlich, was die Geschichte vom Leiden Jesu uns sagen will:

Sie macht dir und mir vor, wie wir durch die Tiefpunkte in unserem Leben gehen können, damit wir hinterher wieder gut dastehen.

Die Leidensgeschichte Jesu zeigt, wie wichtig es ist, in Situationen der Vernichtung keine Schuld auf sich zu laden.

Eines ist wichtig: Du bleibst bei deinem guten Charakter.

Du versuchst wie der Jesus der Bibel:
–  ruhig zu bleiben,
–  sanftmütig und verzeihend,
–  liebend,
–  dir in harten Zeiten deiner Göttlichkeit bewusst zu bleiben.

Dieser Handlungsanweisung können wir folgen, so gut, wie es auch immer geht. Irgendwann ist das Leiden vorbei.

Dem Leidensweg folgt das Osterfest mit dem Jubel der Auferstehung.

So sitze ich nach dem Bachkonzert auf meinem Platz in der Kirche und fühle große Dankbarkeit für das Geschenk dieser neuen Erkenntnis; auch gegenüber den Menschen, die mich hierher eingeladen haben.

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